Instrumentarium
Für diese Gruppenklangkunst werden relativ viele verschiedene Instrumente verwendet. Es gibt lang klingendes Metall, Holzinstrumente, Steinspiele, Saiteninstrumente, Zweige, Röhren, Rasseln, Samen, Zapfen, Muscheln und mehr. Etliches lässt sich kaufen, vieles auch selbst herstellen. Es empfiehlt sich, einen Klangkoffer zur Aufbewahrung zu organisieren, oder ein abschließbares Schränkchen. Die Objekte sind bei jüngeren Kindern sehr beliebt. Es lassen sich die zu schwingenden kleineren Objekte auch gut an Leisten mit Haken , hoch angebracht, aufhängen oder gar an einem geschälten Klangbaum. Da ich die Instrumente für eine konzentrierte zielgerichtete Gemeinschaftsarbeit verwende, lasse ich sie im Arbeitsraum mit jüngeren Kindern nicht zur freien Verwendung herumliegen. Jedes Teil repräsentiert eine, sei es auch noch so kleine, Klang- oder Geräuschewelt und verdient Respekt, den der oder die Anleitende nicht einfordert, sondern vorlebt.
Das Besondere an einigen dieser Klanginstrumente ist, dass sie für das Zusammenspiel gedacht sind und nach Tönen oder Klängen als Instrument aufgefächert und an mehrere Spielerinnen oder Spieler verteilt werden können. Ein Glockenspiel mit 5 Tönen (oder mehr) kann sowohl von einem Menschen als auch von 5 verschiedenen gespielt werden. Letzteres erlaubt Bewegungen im Raum und ein Sichzuspielen. In freier und improvisierter Weise oder in vorgegebenen Formen. Es kann aber auch in dieser Weise in der Gruppe melodisch gespielt werden, was ein inniges Aufeinanderhören übt.
Sehr gute und schöne Instrumente für diese Klangorchesterarbeit gibt es bei Choroi zu kaufen, einer sehr sozial orientierten Instrumentenbauwerkstatt, die es seit mehr als 50 Jahren an verschiedenen Standorten gibt. Besonders die Primleiern, Handröhrenspiele und Klöppel finde ich sehr gut.
Ich selbst stelle seit langem verschiedene Klanginstrumente für die hier vorgestellte Unterrichts- und Improvisationskunst her. Die Eisenberbeitung mit Hammer und Feuer und die Kunst des improvisatorischen Spiels damit habe ich bei Manfred Bleffert üben dürfen, der ein großartiger Künstler, Forscher und Instrumentenbauer ist. Die Metallinstrumente sind sehr fein gestimmt. Viele der Holzinstrumente dagegen haben ungestimmte Naturtöne. Sie sind trotzdem klanglich bearbeitet, um den jeweiligen individuellen Ausdruck hervorzuheben. Der Klang und die Ursprünglichkeit sind bei mir bei meinen Instrumenten wichtiger als das Aussehen. Das sehe ich auch als pädagogisches Credo. Im folgenden sehen Sie einige Objekte, die man bei mir bekommen kann (gerne geliehen oder gebraucht) oder mit mir zusammen herstellen kann (siehe Fortbildungen)
Klangtreppe
Die Klangtreppe ist auch ein Element des Klangorchesters für jüngere Kinder und für den Förderbereich. Es gibt die einfache 5-teilige Treppenhaus Haselnuss, es gibt größere Versionen, es gibt ungestimmte und gestimmte, pentatonische und diatonisch oder harmonisch gestimmte Treppen. Der Sinn ist aber eigentlich nicht das melodische oder gezielte Spiel. Ich habe die Klangtreppe in der Rolle des ausgelassenen, wilden Kobolds oder einer frechen Waldfee spielen lassen, um Auflockerung in ein zuvor recht geformtes, konzentriertes Spiel zu bringen. Die Klangtreppe kann also laufend gestrichen un wild angeschlagen werden, aber ebenso auch bedacht, gezielt und musikalisch gespielt werden. Im Förderbereich ist sie ebenfalls gut einsetzbar, sowohl für eine motorische Konzentration als auch als Befreier.
Holzwindspiele
Die Holzwindspiele sind Geräuschemacher und bestehen aus mehreren Hölzchen, die so aufgehängt werden, dass sie locker aneinander schlagen bei einer leichten Bewegung der haltenden Hand. Sie sind besonders gut bei denjenigen Kindern und unteren Klassen und werden meist in Gruppen gespielt. Ein Kind kann auch zwei verschiedene Windspiele halten und dabei durch den Raum gehen. Es eignen sich Nadelbaumholz, Buche, Eiche, Haselnuss und mehr. Ihr Klang ist entspannend und erinnert eher an Bachgeräusche.
Soloklangröhre
Die Klangröhre ist in ihrer Rolle etwas verwandt mit der Klangplatte. Nur ist sie noch stärker glockenartig, tief und sehr nach Innen führend. Sie ist eine Persönlichkeit. Da sie mindestens 1 m lang ist, müssen Kinder eher auf einem Stuhl oder einer Bank stehen, um sie halten und spielen zu können. Sie ist aus Eisen, bearbeitet, erwärmt und natürlich behandelt. Ihr Klang ist sehr stark und sollte mit anderen Instrumenten im Spiel aufgehellt werden. Für die Heilpädagogik ist ihr Wesen wohl zu stark.
Klangplattenspiel
Das Klangplattenspiel besteht aus mindestens 4 Klangplättchen aus Eisen, die im Feuer geschmiedet wurden. Sie sind gestimmt (verschiedene Stimmungen). Sie liegen auf zwei Schienen oder einem Korpus auf, damit sie beim Anschlag mit einem Klöppel schwingen können. Sie liegen locker auf, damit sie auch in der Reihenfolge vertauscht werden können. Geschickt ist es, wenn sie an einer Seite gelocht sind und an einer Schnur frei schwingend durch den Raum getragen werden können. Dadurch ist es möglich, interessante Raumklänge zu erzeugen. Die doppelte Verwendungsmöglichkeit erlaubt einen vielseitigen Einsatz. Die Plättchen klingen in Singstimmenhöhe und haben einen warmen, lang anhaltenden Klang.
Große Klangplatte
Die Klangplatte ist weniger ein Tongeber oder Musikinstrument, als vielmehr ein Wesen. Ihr Klang ist dem einer von fern klingenden Glocke ähnlich. Sie hat etwas Ernstes, zur Ruhe und nach Innen Bringendes. Ihr Platz ist in Klangerzählungen, im Theaterspiel oder auch bei der modernen Improvisation. Es gibt sie in verschiedenen Formen und Tonhöhen. Sie ist aus Eisen, das Aussehen ist nicht immer gleich, da das Feuer manchmal eigenwillige Farbgebungen zaubert, manchmal aber auch in strengem dunkelgrau bleibt. Die Größe variiert, plus - minus 20 mal 14 cm, je nach Tonhöhe.
Variables Naturxylophon
Darunter verstehe ich ein kleines Xylophon , bestehend aus einem einfachen Holzkasten mit Auflage und 4-6 Holzplatten, locker darauf liegend, so dass sie leicht ausgetauscht oder umgelegt werden können. Die Auflage ist meist aus Isoliermaterial, bzw. Kunststoff. Es sind aber auch dicke Filzstreifen oder weiche Kordel denkbar. Der Klöppel ist aus Holz, es kann ein Haselnussstab sein. Das Xylophon ist ungestimmt, aber klanglich in sich passend. Es ist absichtlich aus verschiedenen Hölzern zusammengestellt, da ich damit eine integrative Idee des Zusammenpassen vertrete und anschaulich machen möchte. Das Xylophon kann melodisch, rhythmisch oder mit darüber streichenden Bewegungen gespielt werden. Es gibt verschiedene Größen und Klanghöhen. Es bietet sich an, mehrere dieser kleinen Instrumente zu haben. Es lassen sich von Schülerinnen und Schülern auch weitere nach dem Vorbild herstellen
Sternenstäbe
Diese Eisenstäbe (circa 16-24 cm lang, dünn) werden nicht aneinander geschlagen, sondern mit den beiden Händen vorsichtig aufeinander zu bewegt, so dass sie sich fein schwingend aneinanderschmiegen. Dabei entsteht ein helles, leichtes Klanggefunkel. Verschiedene Längen bei den Eisenstäben ergeben unterschiedliche Klänge. Ein Paar sollte aber untereinander zu gleicher Stimmung gearbeitet worden sein. In fester Reihenfolge oder im freien Raumspiel führt ihr Klang zu Staunen und ruhigem Lauschen. Es ist auch, wo nur wenige Spielende vorhanden sind, eine Leiste mit Haken denkbar für eine Person, die mit einer Hand die verschiedenen aufgehängten Sternenstäbe spielt.
Geräuschler (Raps und Samen)
Für die Naturgeräusche gibt es viele Dinge zur Auswahl. Besonders schön sind getrocknete Rapsstängel. Sie findet man im Juni/Juli und sie sollten schon bleich und trocken sein. Auch Schafgarbenstengel zum Bündel zusammengebunden klingen hell und freundlich. In einer Schale oder einem Glas lassen sich auch Samen mit der Hand bewegen und durchrühren. Die Qualität dieser angenehmen Geräusche kommt nicht von ungefähr. Hinter all diesen klanglichen und optischen Erscheinungen stecken Stoffe und ihr Wesen, die die Wirkungen ausmachen. So hören wir beim Rascheln bestimmter Stängel und Samen ihren hellen aufrechten Kieselsäurecharakter Dies wirkt unaufdringlich und doch leicht aufweckend.
Steinspiel
Die wunderbar hohen klirrenden Klänge von Granitsteinen kann man am besten in einem Steinbruch oder am Fuße eines Gletschers im Gebirge erleben. Wie von unsichtbarer Hand rollen dort kleinste Steinchen bergab und setzen feinste Töne frei. Dies brachte mich auf die Idee von Steinspielen mit gesammelten Steinen. Diese liegen dann auf einem Brett locker auf Schnüren und werden mit einem runden Sternchen angespielt, manchmal auch berollt. Interessanterweise gibt es aber auch Steinplatten aus der Industrie oder Terracottasteinreste beim Fliesenleger, die sich auch wunderbar zum Spielen eignen. Man wird mit Schiefer und Kalk etwas weniger Glück haben als mit den zuerst beschriebenen, was wieder mit der Substanz und der inneren Struktur.
Perlmuttscheibenhänger
Kein Winterspiel ist denkbar ohne diese klirrenden Perlmuttscheibchen, die es oft in Weltlädenzu finden gibt. Sie klingen bei der kleinsten Bewegung und wecken Bilder wie knackendes Eis und Kühle.
Primleier
Ein wunderbaresaufgefächertes Instrument ist das Primleierspiel. Mehrere auf ausgewählte Töne gestimmte Primleiern, leicht mit den Fingern gestrichen, verzaubern groß und klein und lassen friedlichen Sonnenschein im inneren aufsteigen. Kräftiger gespielt und verwegen gestimmt sind sie aber auch sehr einsatzfähig und ausdrucksstark in einer
Orchesterinstrumente
Die Einbeziehung von klassischen Orchesterinstrumenten ins Spiel steigert die Möglichkeiten einer musikalisch-künstlerischen Arbeit ohne die guten Wirkungen des freien und fließenden aufmerksamen Klangspiels zu schmälern.